Yellowstone Nationalpark
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Yellowstone Nationalpark

Der Yellowstone Nationalpark im Nordwesen der USA ist ein Eldorado für Naturfotografen. Zischende Geysire, bunt kochende Gewässer und gemächlich blubbernde Schlammtöpfe prägen das Landschaftsbild dieser urtümlichen Region. Schier endlose Wälder bieten viel Platz für zahlreiche Vogel- und Säugetierarten, von denen Bären wie keine andere Spezies die unzerstörte Wildnis präsentieren.

Ältester Nationalpark der Welt

Mit seinen rund 300 Geysiren und etwa 10.000 heißen Quellen ist der Yellowstone Nationalpark der älteste der Welt.  Die 8.983 km² Wildnis verteilen sich auf die Staaten Wyoming, Montana und Idaho, wobei auf zuerst genannten 96 Prozent der Fläche entfallen. Seinen Namen trägt der Park wegen der gelben Sandbänke im Mündungsdelta des Grand Canyon des Yellowstone River. Er ist Teil der Rocky Mountains und hat eine durchschnittliche Höhe von etwa 2.440 Meter über dem Meeresspiegel.

Die Aufzeichnungen über die Erkundung und Besiedlung des Vulkangebietes erfolgten erst im 19. Jahrhundert, obwohl seit Beginn menschlicher Geschichte Indianer die Region bewohnten. Um 1807 bekam der Trapper John Colter als erster Weißer das Gebiet des heutigen Nationalparks zu Gesicht, als er nach einer Teilnahme an einer Expedition von Lewis und Clark hier einen Winter verbrachte. Den Schilderungen von Colters über den Yellowstone wurde zunächst kaum Glaube und deshalb wenig Beachtung geschenkt, als er 1810 in die Zivilisation zurückkehrte. Ferner verhinderte die Unzugänglichkeit des Gebietes eine rasche Besiedelung durch die Weißen. Doch wagten sich im Laufe der Zeit Pelzfänger und Goldsucher dorthin vor. Der Wunsch nach Aufklärung führte zu drei weiteren Expeditionen. Erst 1871, als eine Gruppe um den Geologen Ferdinand V. Hayden den Yellowstone besuchte, begann man die Idee eines Nationalparks ernst zu nehmen. Unter der 34-köpfigen Gruppe befanden sich der Maler Thomas Moran und der Fotograph William Henry Jackson. Es muss als Schicksal angesehen werden, dass gerade die Bild- und Schrifterzeugnisse einer vierten Forschungsreise (Barlow-Heap-Expedition), die noch im selben Jahr stattfand, im großen Brand von Chicago vernichtet wurden. So gewannen Morans Bilder und Jacksons Fotos ihre historische Bedeutung. Die Unterlagen beeindruckten die Parlamentarier in Washington D.C. so stark, dass sie 1872 ein Gesetz erließen, welches das Gebiet des Yellowstone vor Goldsuchern, Trappern und vor allen Dingen vor den Belangen der Siedler für immer schützen sollte. Am 1. März 1872 unterschrieb Präsident Ulysses S. Grant schließlich das Gesetz und gründete damit den ersten Nationalpark der Welt.

Philetus W. Norris, der erste Direktor des Parks, erkannte bereits 1878 die Notwendigkeit Straßen im Park anzulegen um zukünftige Besucher den Besuch zu erleichtern. Bereits einige Jahre später waren über 300 km primitiver Straßen geschaffen und der Gand Loop war im Bau. Dieser Ausbau und Erneuerung hält bis heute an und auch 2005 wurde ein etwa 20 km langes Teilstück des Loops am Fuße des 3122 m hohen Mount Washburn neu asphaltiert. Da es neben der „Acht“, wie der Grand Loop wegen seiner Straßenführung auch genannt wird, so gut wie keine Nebenstrecken gibt, ist der Zustand der Straße von besonderer Bedeutung. Anfangs den Privilegierten und Reichen vorbehalten besuchen heute ca. 3 Millionen Besucher jährlich den Park.

Rhythmik der Geysire

Geologisch weist das Gebiet des Yellowstone die Besonderheit auf, dass es sich über einer Aufschmel-zungszone (Hot Spot) befindet. Hier kommt das heiße Magma der Erdoberfläche besonders nahe. Die sich verschiebenden Kontinentalplatten zusammen mit dem Vulkanismus haben im Laufe der Jahrmillionen deutliche Spuren hinterlassen und im Yellowstone eine Kette von Einsturzzonen (Caldera) entstehen lassen. Mit 45 km Breite und 75 km Länge nimmt dieses Einsturzgebiet rund ein Drittel der gesamten Parkfläche ein. Als Folge der geologischen Aktivitäten ist die Erdoberfläche in dieser Region stark zerklüftet. Durch zahlreiche Risse und Spalten dringen Regen und Oberflächenwasser ins Erdinnere ein, wo dieses sich bereits in geringer Tiefe auf weit über Hundert Grad erhitzt. Wo es wegen einer darüberliegenden Wassersäule nicht unmittelbar in den dampfförmigen Zustand übergehen kann, bauen sich gewaltige Drücke auf. Haben diese einen bestimmenden Schwellenwert überschritten, wird sämtliches Wasser nun schlagartig in Form einer Fontäne zur Erdoberfläche zurückbefördert um dort den Zyklus erneut zu beginnen.

Obwohl er nicht der regelmäßigste und längst nicht der größte Geysir im Park ist, bleibt Old Faithful der „alte Getreue“. Seit Beginn der Messungen im Jahre 1870 hat er nicht eine der bis zu fünf Minuten dauernden Eruptionen ausgelassen. Durchschnittlich alle 76 Minuten katapultiert er bis zu 30.000 Liter heißes Wasser 40 bis 50 Meter hoch in die Luft. Im Einzelfall können allerdings zwischen 45 und 100 Minuten bis zum nächsten Ausbruch vergehen. Wie die meisten Besucher im Park konnte ich nicht widerstehen, den Ausbruch von Old Faithful bei schönem Wetter und strahlendem Sonnenschein zu fotografieren. Doch bereits kurze Zeit später, bei der Betrachtung am Laptop, stellte sich schnell die Ernüchterung ein. Zu sehr ähnelten sich meine Fotos den Postkartenmotiven, die zu Dutzenden im Eingangsbereich meiner Unterkunft in Old Faithful Lodge aufgetürmt waren.

Es war etwas Zeit vergangen, als ich an einem verregneten Tag zu später Stunde noch einmal Old Faithful besuchte. Obwohl ich meine Kamera stets bei mir trug, hatte ich die fotografischen Aktivitäten für diesen Tag längst abgeschlossen, so jedenfalls dachte ich. Der Silberstreifen am Horizont, auf den sich von Zeit zu Zeit mein Augenmerk richtete, wurde langsam größer. Nur wenige Hundert Meter von Old Faithful entfernt, entschloss ich mich, den Geysir ein letztes Mal zu besuchen. Noch während ich mich der Austrittsöffnung näherte, bemerkte ich am zunehmenden Grollen, dass wieder eine Eruption wieder unmittelbar bevorstand. Schnell zog ich die Kamera aus meiner Tasche hervor, um wegen der Dunkelheit die ISO-Einstellung noch zu erhöhen. Schon Sekunden später schossen schwarz und unbeleuchtet gewaltige Wassermassen in den Himmel, um vor silbergrauer Kulisse ein überwältigendes Naturschauspiel zu inszenieren. Old Faithful hatte es wieder einmal geschafft und seine Besucher maßlos beeindruckt.

Im Rausch der Farben

An allen Ecken und Enden im Park ist man mit Farben konfrontiert: Von regenbogenfarbenen Pools über beige-braune Schlammtöpfe bis hin zu den gelb bis rötlich gefärbten Sedimenten des Yellowstone River. Doch bunt ist nicht gleich bunt, denn während die Eisenverbindungen im Yellowstone Canyon für stumpfe Gelb- und Rottöne sorgen, kommt die leuchte Färbung der Pools auf gänzlich anderem Wege zustande. Hier gedeihen Bakterien und primitive Algen bei Temperaturen von über 75 °C. Da jede Art nur in einem eng begrenzten Temperaturbereich vorkommt, bestimmen Eigenfärbung und Stoffwechsel-produkte das Aussehen der jeweiligen Zonen.

Sonnenaufgänge, Sinterterrassen und Schwefeldämpfe

Ein weiteres Highlight des Parks ist Mammoth Hot Springs mit seinen zahlreichen Tarvertin-Terrassen. Nähert man sich Ihnen von Osten, weiß man zunächst nicht, worum es sich handelt. As der Ferne schauen die weißgrauen Gebilde eher aus wie ein wildes Bergbaugebiet. Allerdings sprudeln hier keine Geysire. Aus großer Tiefe kommend tritt das kalkhaltige Wasser eher etwas langsamer zu Tage. Außerdem ist es besonders heiß. An der Oberfläche bilden sich aus den Abscheidungen in der Folge schnell wachsende, strahlend weiße Becken. Diese sind nicht sehr beständig. Kommt kein Wasser mehr nach oder wird der Abfluss verlegt, so wird das Aufgebaute genau so schnell wieder erodiert, wie es geschaffen wurde. Aus dem strahlenden Weiß wird dann ein fahles Grau. Die handgroßen bis einige m² großen Becken sind nicht sehr tief und mit höchstens 10 bis 20 cm Wasser bedeckt.

Wenn die Vielzahl der Besucher aus „organisatorischen Gründen“ ab ca. 10 Uhr an den Quellen erscheit, steht die Sonne für gelungene Fotos bereits viel zu hoch am Himmel. Zu diesem Zeitpunkt reflektieren die weißen Kalkflächen ein Großteil des auf sie eingestrahlten Lichts und machen eine korrekte Belichtung einer jeder Programmautomatik zunichte.  Nachdem ich das Gebiet der heißen Quellen bereits am Nachmittag des Vortages inspiziert und festgestellte hatte, dass viele der für mich interessanten Motive nach Osten ausgerichtet waren, beschloss ich, am nächsten Morgen zeitig wiederzukommen. Ich sollte diese Entscheidung nicht bereuen. Bereits kurz nach Sonnenaufgang hüllte das warme Licht der aufgehenden Sonne die glitzernden Becken aus weißem Travertin ein in Meer von Farben. Immer wieder veränderten sich jetzt die Farbabstufungen von beige über hellorange bis hin zu braunrot, je nachdem wie intensiv die Dunstschwaden das Licht der noch tief stehenden Sonne verringerten. Gelassen und ohne weitere Zuschauer beobachte ich dieses Naturschauspiel und bemerke nicht, wie die Zeit verrann. Immer wieder wechselte ich den Standort und veränderte die Brennweite meines Zoomobjektivs. Ich schoss zahlreiche Aufnahmen, bis ich bemerkte, dass die Kapazität meines Speicherchips erschöpft war.

Fluss mit Tiefenwirkung – der Yellowstone River im gleichnamigen Canyon

Wer Flüsse liebt, kommt in Yellowstone auf seine Kosten. Am nordöstlichen Teil des Great Loop gelegen, südlich der Tower Junction, beginnt der Grand Canyon of the Yellowstone. Über mehr als 30 Kilometer hat der Yellowstone River eine bis zu 350 m tiefe Schlucht in den gelblichen Felsen hineingefressen. Die Farbe erhält das im oberen Bereich grau gefärbte, teilweise pink-lavendelfarbenen Gestein, das nach unten immer gelblicher wird durch unterschiedliche Anteile von Eisenoxiden. Gleich am Ausgangspunkt der engen Schlucht befinden sich die beiden spektakulären Wasserfälle des Flusses. Nur etwa ein Kilometer trennt die Lower Falls, die mit 94 Meter höchsten Wasserfälle des Parks von den 33 Meter hohen Upper Falls.

Am späten Nachmittag besuchte ich den Artist Point, der von Canyon Village aus nur wenige Autominuten entfernt ist. Von hier ergibt sich ist eine atemberaubende Aussicht über den Grand Canyon of the Yellowstone, der sich an dieser Stelle V-förmig seinen Weg bahnt. Nach Westen blickend, erscheint der Fluss im gleißenden Gegenlicht, der sich, an flüssiges Metall erinnernd, in einer steinernen Grußform seinen Weg bahnt. Die beeindruckenden Lower Falls sind von hier aus noch deutlich zu erkennen. Ganz anders dagegen der Ausblick nach Osten. Im warmen Schein der tief stehenden Sonne intensivieren sich die Schattierungen der unterschiedlichen Ablagerungen. In Abhängigkeit des Standorts und den Abschattungen einzelner Quellwolken bietet sich dem Betrachter ein Kaleidoskop ständig neuer Farben.

Flora und Fauna

Die Wunden, die der verheerende Waldbrand 1988 im Park hinterlassen hat, sind an vielen Stellen auch heute noch unübersehbar. Stark überaltert und viel zu dicht stehend behinderten sich damals die Drehkiefern, Felsengebirgstannen und Engelmannfichten gegenseitig im Wachstum. Als dann im Juni durch Blitzeinschläge die riesigen Brände ausbrachen, wurden in der Folge mehr als eine Drittel des Waldbestandes vernichtet. Inzwischen hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Waldbrände im Park etwas völlig normales darstellen. Diese werden nun nicht mehr bekämpft, sondern nur noch beobachtet. Teilweise werden Waldbrände auch künstlich gelegt, damit diese nicht mehr das Ausmaß von 1988 erreichen. Inzwischen bedecken nachwachsende Bäume und blumenreiche Matten die vom Feuer heimgesuchten Parkgebiete. Wegen der Höhenlage und der kalten, schneereichen Winter wächst junger Wald nur langsam nach und es dürfte noch Jahrzehnte dauern, ehe die Spuren des Brandes vollkommen verwischt sind. Doch nicht nur Feuer macht der Vegetation in dieser Region zu schaffen. Neben den verkohlten und tief schwarz gefärbten Baumstümpfen fallen auch hin und wieder leuchtend weiße Baumskelette auf, die sich in Reichweite der heißen Quellen befinden. Anfangs noch von der Wärme profitierend, lagert sich das Siliziumdioxyd des Sprühregens in die Holzzellen ein um damit das Schicksal des Baumes zu besiegeln.

Die riesigen Wälder sind heute Rückzugsgebiete der vielen selten gewordenen Tierarten: Sieben Huftier- (Bison, Elch, Wapiti, Maultierhirsch, Gabelbock, Dickhornschaf, Bergziege), 2 Bären (Schwarz- & Grizzlybär) und etwa 50 weitere Säugetiertierarten wie Puma, Luchs, Wolf, Kojote, sind heute im Yellowstone Nationalpark heimisch. Dazu kommen noch etwa 200 Vogelarten, elf Fisch-, fünf Reptilien- und vier Amphibienarten.

Angriffe von Bären auf Menschen sind heute eher selten, denn meist meiden die Tiere die Nähe des Menschen. In den 1970er-Jahren gewöhnten sich Bären an die Touristen und fraßen Abfälle und menschliche Nahrung. Aufklärende Merkblätter und ein rigoroses Fütterungsverbot zeigen inzwischen Wirkung und halten die Bären erfolgreich von Picknickplätzen fern. Die meisten gefährlichen Begegnungen passieren immer noch mit Bisons. Viele Besucher verkennen, dass dies auch Wildtiere sind. Als echte Wiederkäuer leben die Bisons ausschließlich von Gräsern, Kräutern, Moosen und Flechten. Die bis zu einer Tonne wiegenden Tiere sind mitnichten träge und können sehr rasch auf über 50 km/h beschleunigen. Gab es Anfand des 20. Jahrhundert gerade noch 20 Tiere im Yellowstone, so ziehen heute wieder mehr als 4000 dieser wilden Büffel behäbig und schnaubend durch die Weiten des Parks.

Publikaton

Ise, W. (2006) Yellowstone Nationalpark. DigitalPhoto (5); 100-105

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