Mississippi River Bridge Vicksburg
1863
Pueraria lobata - Kudsu
1974
Tillandsia usneoides - "Spanish moss"
2022
Taxodium distichum - Sumpfzypresse
2173
Taxodium distichum - Sumpfzypresse
2488
Taxodium distichum - Sumpfzypresse
2503
White Alligator
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Alligator
2534
Alligator
2545
Alligator
2570
Sümpfe
2572
Hymenocallis caroliniana - Spider Liy
2181
Magnolia grandiflora
2829
Magnolia grandiflora
2834
Krokodilschädel
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Mississippi-Dampfer
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Die weißen Alligatoren vom Mississippi – Von alten Indianerpfaden, Sumpfzypressen und Krokodilen

Ob per Bootstour in den verschlungenen Bayous im Mündungsdelta des Mississippi, oder auf Spurensuche auf dem Natches Trace, einem ehemaligen Indianerpfad zwischen Nashville und Natchez oder aber einem Besuch im Audubon Zoo & Aquarium von New Orleans, bei einer Reise durch den Süden der USA gibt es einiges an seltenen Pflanzen und ungewöhnlichen Tieren zu entdecken.

Um den Mississippi ranken sich seit jeher die Mythen und Lebenszeichen des amerikanischen Südens. Der  mächtigste Strom Nordamerikas durchquert den Kontinent vom Itasca-See in Minnesota bis hin zum Mündungsdelta am Golf von Mexiko, in dem die Grenzen von Wasser und Land zu verschwinden scheinen. Bei den Chippewa-Indianern hieß er mesepi, was so viel wie „Großes Wasser“ oder „Vater der Ströme“ bedeutet. Schon die indianischen Ureinwohner hatten Mais, Bohnen und Kürbisse auf dem fruchtbaren Schwemmland des Mississippi-Delta, einige Hundert Meilen von der Mündung des Flusses in den Golf von Mexiko, angebaut. Später erstreckten sich hier die endlosen Baumwollfelder, auf denen Sklaven für den Reichtum der Plantagenbesitzer ihr Leben lang schufteten. Schon immer haben Überschwemmungen den Unterlauf des Stromes heimgesucht, Flussbiegungen zu Seen werden lassen, Menschen von ihren Siedlungen vertrieben. Alljährlich werden über 500 Mio. Tonnen im Wasser gelöste Stoffe, Schlamm und Geröll über den Lauf des Flusses transportiert, im Durchschnitt passiert jede Sekunde eine Wassermenge von 15 Millionen Liter die Stadt New Orleans, die sich bei Hochwasser noch verfünffachen kann.

Flora und Fauna

In den Süßwassermarschen des Mississippi-Deltas gedeihen Wasserhyazinthen, Sumpfzypressen sowie Tupleobäume. Letztgenannte färben sich im Herbst prachtvoll rot. Subtropisches Gestrüpp bedeckt die Ufer, auf den feuchten Böden wachsen Schlingpflanzen, Moose und Farne. Aber auch die Fauna kann sich sehen lassen: Ob seltene Vögel, Fische, Frösche, Schlangen, Schildkröten oder Alligatoren. Der Süden der USA hat einiges zu bieten. Dass aber in den Sümpfen Louisianas nicht nur „grüne Fressmaschinen“ auf ihre Beute lauern, sondern seltene weiße Alligatoren existieren, die keine Albinos sind, darüber ist kaum etwas bekannt.

Der Natchez Trace – ein ehemaliger Indianerpfad

Lange bevor die Europäer nach Amerika kamen, hatten die verschiedenen ortsansässigen Indianerstämme einen Handelsweg von Cumberland River (im heutigen Bundesstaat Tennessee) bis hin zu den Dörfern des südwestlichen Mississippi geschaffen. Doch mit der Einwanderung der Europäer und deren Besiedlungen der Staaten Tennessee und Mississippi bekam der Pfad eine neue Bedeutung. Von 1780 an herrschte auf dem Mississippi ein reger Handelsverkehr, vornehmlich von Farmern aus dem Ohio-Valley, die auf der Suche nach neun Absatzmärkten ihre Produkte nach Natchez und New Orleans schifften. Weil sie ihre Flachbodenschiffe nach getanem Handel als Nutzholz verkaufen mussten (eine Rückkehr über den Mississippi war wegen der zu starken Strömung des Flusses bis zur Erfindung der Dampfmaschine nicht möglich), gab es nur zwei Möglichkeiten ins Ohio-Valley zurück zu gelangen: Entweder man ritt oder man wählte den Fußmarsch über den Natchez Trace, der die kürzeste und direkteste Verbindung darstellte. Aus Kostengründen wurde meist die letztgenannte Möglichkeit gewählt. Natürlich war der etwa drei Monate dauernde Rückweg kein Vergnügen und überall lauerten Gefahren: Sümpfe, Krankheiten, Flüsse, gefährliche Tiere, Indianer und professionelle Gangster. Doch im Laufe der Zeit sollte sich dies ändern. Ab 1812 verlor der Trail allmählich an Bedeutung, da zwischen St. Louis, Nashville und New Orleans das erste Dampfschiff regelmäßig verkehrte und den Reisenden mehr Bequemlichkeit und Sicherheit bot. Heute, genau genommen seit 1938, zählt der ehemalige Indianerpfad zum amerikanischen Nationalpark-Inventar. Als „Natches Trace Parkway“, eine über 800 km lange Straße ohne kommerzielle Nutzung und ohne Werbeplakate zwischen Nashville nach Natchez folgt er der alten Indianerspur. Blumenübersäte Straßenränder sowie eine üppige Vegetation machen die Fahrt im Pick-up oder voll klimatisierten Van mit geruhsamen 55 Meilen pro Stunde zu einem erholsamen Vergnügen und viele Haltepunkte mit historischen oder naturwissenschaftlichen Informationen laden ein zu verweilen.

Kudzu – Von der Zierpflanze zum Unkraut

Bei der Fahrt durch die üppig grüne Vegetation ist vor allem eine Pflanze nicht zu übersehen: Kudzu. Im Jahre 1876 zum hundertjährigen Bestehen der USA von den Japanern eingeführt, überwuchert Kudzu heute alles, was sich ihm in den Weg stellt: Straßenränder, Bäume und Telefonmäste. Das schnellwüchsige, rankende Unkraut hat offensichtlich ideale Lebensbedingungen vorgefunden und überzieht wie ein Netz Häuser und ganze Landstriche. Auf Grund des massenhaften Auftretens hat man versucht, der Pflanze wenigstens etwas Nutzbringendes abzugewinnen. So dient das stärkehaltige Grünzeug in kleine Stücke gehäckselt zuweilen als Viehfutter. Zu Pulver vermalen, wird es als Soßenbinder verwendet.

Die Knie der Sumpfzypressen

Folgt man dem Natches Trace nach Süden, mehren sich Feuchtgebiete und Sumpfzypressen gewinnen an Bedeutung. Die Heimat dieser etwas eigentümlichen Baumart sind die südöstlichen Staaten. Hier wachsen sie in Sümpfen und Flussniederungen, d.h. an Standorten, die ständig unter Wasser stehen. Das recht weiche Holz der Sumpfzypresse ist unempfindlich gegen Nässe und verträgt auch wiederholtes Austrocknen unbeschadet. Es wird daher oft in Gewächshäusern verwendet. Sumpfzypressen werden ca. 25 m hoch. Ihre schmalen, fast nadelförmigen Blätter wachen in zwei Reihen – daher auch der wissenschaftliche Name Taxodium distichum. Die Rinde älterer Bäume ist von zahlreichen Längsfurchen durchzogen, die sich mitunter spiralförmig um den Stamm winden. Abgesehen davon, dass diese Bäume permanente Feuchte ertragen und somit zeitlebens „nasse Füße“ haben, ist ihr auffälligstes Merkmal die Bildung sog. Wurzelknie. Diese können bis 1,50 m über die Wasseroberfläche hinauswachsen und haben die Funktion, die Sauerstoffversorgung der unter Wasser befindlichen Wurzeln zu sichern. Die Sumpfzypresse zählt zu den wenigen Nadelgehölzen, die sommergrün sind. Im Herbst färben sich die krautig dünnen Nadeln nach Abbau des Chlorophylls kupferbraun, bevor sie zusammen mit den Kurztrieben abgeworfen werden (Die im Tertiär auf der ganzen Nordhalbkugel verbreiteten Sumpfzypressen waren übrigens in unseren Breiten maßgeblich an der Bildung der niederrheinischen Braunkohle beteiligt).  Kurz vor der malerischen Stadt Natches am Mississippi endet schließlich der Natches Trace.

Der Schmuck vieler Bäume – Spanish Moss

Filigran und ausgesprochen dekorativ wirkt das „Spanish Moss“, Tillandsia usneoides. Von Sumpfzypressen oder an „live oaks“ (Lebenseichen) hängend, erscheinen die bis zu 8 m langen „Bärte“ wie dekorativer Schmuck. Die Pflanze ist kein Schmarotzer, sondern ein echter Epiphyt, der seine Nahrung der Feuchtigkeit der Luft und dem Regenwasser entnimmt, das an den Stämmen und Ästen der „Gastbäume“ herunter rinnt. Die Verbreitung von T. usneoides erstreckt sich vom Südosten der USA bis hin nach Bolivien und Mittelargentinien, in denen es in frostfreien Gegenden sogar bis in Höhen von 3300 m gedeiht. Mit Hilfe ihrer flugfähigen Samen – ähnlich wie des Löwenzahnes – verbreitet sich Tillandsia usneoides über weite Strecken. Als Füllstoff für Matratzen und biologisches Verpackungsmaterial  ist es im getrockneten Zustand noch immer sehr begehrt. Auch die nordamerikanischen Rosskastanie Aesculus pavia, deren Gattung weltweit 13 Arten umfasst, durchsetzt mit ihrem strauchigen Wuchs viele Mischwaldgebiete.

Magnolia grandiflora – die Staatsblume des Staates Mississippi

Bevor ich nun auf den Mississippi-Alligator zu sprechen komme, möchte ich noch eine weitere botanische Schönheit vorstellen, den Magnolienbaum, Magnolia grandiflora L. (Familie Magnoliaceae). Dieser feuchtig-keitsliebende Baum ist vorwiegend in den Küstenebenen des Golfes von Mexiko verbreitet. Ursprünglich in Ostasien und Amerika beheimatet, gehört er zu einer sehr alten Pflanzenfamilie, deren fossile Arten schon vor etwa 100 Millionen Jahre maßgeblich an der Entwicklung unserer heutigen „modernen“ Blütenpflanzen (Angiospermen) beteiligt waren. Die großblättrige Magnolie erreicht Höhen von bis zu 25 m. Sie zeichnet sich durch ihren geraden, oft schon am Grund gegabelten Stamm aus. Zwischen den immergrünen dunkelgrünen Blättern fallen die großen reinweißen Blüten im Frühsommer deutlich auf. Eine Besonderheit ist, dass sie sich nur tagsüber öffnen und nachts und an trüben Tagen geschlossen bleiben. Aus der Rinde extrahiert man Wirkstoffe für Wurm- und Rheumamittel. Die Art wurde am Anfang des 18. Jahrhunderts in Europa eingeführt und ist aufgrund ihrer schönen Blüten und des sehr dekorativen Laubwerkes bei uns als Zierpflanze verbreitet.

Alligator mississippiensis

Folgt man den Mississippi weiter nach Süden, trifft man auf eine auffällige Tierart, den Mississippi-Alligator. Er kann bis zu sechs Meter lang und eine halbe Tonne schwer werden. Allerdings sind solche großen Tiere sehr selten. Heute bewohnt der Mississippi-Alligator den Süden der USA, genauer gesagt die Staaten Alabama, Arkansas, North und South Carolina, Georgia, Louisiana, Mississippi, Oklahoma, Texas und Florida. Innerhalb der Ordnung der Krokodile (Crocodylia), die über  30 Arten umfasst, bilden  die Alligatoren mit nur zwei „echten“ Vertretern eine eigenständige Gruppe (Gattung), die sich von den übrigen Krokodilen unterscheidet: Der Alligator mississippiensis und der China-Alligator (Alligator sinensis). Auch die Kaimane  zählt man zu den Alligatoren. Zusammen mit den beiden „echten“ Alligatoren bilden sie die Familie der Alligatoridae.

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Alligator und einem Krokodil? Die breitere Schnauze der Alligatoren und vor allem die etwas andere Anordnung der Zähne sind äußerlich die auffälligsten Unterschiede. Hat ein Alligator sein Maul geschlossen, wird die untere Zahnreihe von der oberen verdeckt. Bei einem Krokodil dagegen sind beide Zahnreihen zu sehen. Außerdem ist auch der vierte Zahn im Unterkiefer stark verlängert. Dies führt insgesamt zu dem Eindruck, als würde ein Krokodil bei geschlossenem Maul grinsen, ein Alligator hingegen schein eher gutmütig zu lächeln. Mississippi-Alligatoren besetzen innerhalb ihres Verbreitungsgebietes alle aquatischen Lebensräume von Marschen, Sümpfen, Flüssen, Seen bis zu Gezeitenregionen. Junge Mississippi-Alligatoren sind schwarz und weisen ca. zehn gelbe Querbänder über dem Körper und dem Schwanz auf. Mit zunehmendem Alter verblassen jedoch die Bänder und die Tiere erscheinen fast einfarbig grau bis schwarz.

Die Gefährdung des Mississippi-Alligators liegt heute nicht mehr in der Bejagung für die Lederindustrie, sondern in der zunehmenden Umweltverschmutzung und der Zerstörung seines Lebensraums. Seit etwa 20 Jahren pflanzen sich die Tiere nicht mehr wie gewohnt fort und es treten Fehlbildungen auf. In den Alligatornestern sind oft mehrere Eier unbefruchtet. Auch die Embryos entwickeln Abnormalitäten. Schon in den frühesten Stadien zeigen sich Defekte im Gehirn und Skelett, dem Immunsystem und den Geschlechtsorganen. Wissenschaftler vermuten jetzt, dass Umweltgifte für diese Missbildungen der Alligatoren verantwortlich sein könnten. Insbesondere Pestizide, die aus der Landwirtschaft über das Wasser in die Verbreitungsgebiete gelangen, stehen unter dem Verdacht, die Abnormalitäten bei den Alligatoren zu verursachen. Auch andere Tierarten sind von dieser Bedrohung durch hormonähnliche Umweltgifte betroffen.

Die weißen Alligatoren im Audubon Zoo

Im Audubon Zoo von New Orleans und auch im dem am Mississippi gelegenen Aquarium kann man die einzigartigen weißen Alligatoren sehen. Diese gibt es weltweit nur hier und die Tiere wurden erst 1987 zufällig von Fischern in Louisiana entdeckt. Warum sie weiß sind, weiß keiner so genau. Albinos sind sie jedenfalls nicht, denn sie haben keine roten, sondern blaue Augen. Durch die weiße Farbe – offenbar eine einmalige Laune der Natur – ist die Haut der Tiere sehr empfindlich. Die „White Alligators“ dürfen deshalb nicht in die Sonne. Besonders als Jungtiere sind sie eine gut sichtbare und leichte Beute. Als in Louisiana die schneeweißen Tiere per Zufall in einem Nest entdeckt wurden, brachte man sie sofort in den Zoo. Das einzige Problem für den Bestand jedoch ist: Alle Tiere sind männlich. Es kann also keine Zucht begonnen werden.

Im Zoo stellen die kuriosen Tiere immer noch eine besondere Attraktion dar. So wundert es nicht, dass man für die weißen Alligatoren eigens einen Bereich geschaffen hat, der sich im hinteren Bereich des Parks befindet. Jeder Besucher, der die weißen Alligatoren beobachten möchte, muss die anderen Tiergehege wie bspw. „Sea Lions“ und „Monkey Hill“ passieren, um zum „Louisiana Swamp“ zu gelangen. Vorbei an den „grünen Verwandten“, die sich im Freigehege in bekannter Manier behäbig in der Sonne aalen, hat man den seltenen weißen Artgenossen ein dunkles „Zuhause“ geschaffen. Der Leser, der bereits schon einmal amerikanische Tierparks kennen gelernt hat, hat vielleicht eine Vorstellung, wie stimmungsvoll der Louisana Swamp gestaltet wurde. In den Zoos werden nicht nur die Tiergehege artgerecht eingerichtet, sondern auch der Besucher wird durch geschickte Kulissen in die ursprüngliche Heimat der Tiere versetzt. Dies macht einen Zoobesuch zu einem starken atmosphärischen Erlebnis.

Doch zurück zu den Tieren. Zum Zeitpunkt meines Aufenthaltes im Tierpark befanden zwei Alligatoren vor Besuchern gut geschützt in einer, dem natürlichen Biotop hervorragend nachempfundenen, abgedunkelten Behausung. Obwohl als Zuschauer nur schwer zu beurteilen, vermittelt sich der Eindruck, als gefiele den Tieren ihre neue künstliche Umgebung. Erfreulicherweise können die Alligatoren von den zahlreichen Besuchern auf diese Weise nicht gestört werden. Der Audubon Zoo kann mit Recht behaupten, ganz außergewöhnliche Tiere zu besitzen.

Publikation

Ise, W. (2004) Die weißen Alligatoren vom Mississippi. Reptilia 9 (3); 45-50

Literatur

Timme, S. L. and Timme, C. C. K. (2000) Wildflowers of the Natches Trace, University Press of Mississippi, Jackson


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