Vermehrung seltener Schwertpflanzen
Diskusfische im Pflanzenaquarium
Diskusfische
Echinodorus portoalegrensis - Rhizomstück
Rhizomstück
E. portoalegrensis - Jungpflanzen
Rhizomstücke
E. portoalegrensis - Jungpflanzen
Pflanzenbecken
Echinodorus portoalegrensis
E. portoalegrensis
Echinodorus portoalegrensis
Habitus von E. portoalegrensis
Echinodorus portoalegrensis
E. portoalegrensis im Aquarium
E. opacus (links) & E. portoalegrensis (rechts)
opacus_portoalegrensis
Echinodorus opacus
Echinodorus opacus
Adventivpflanzen von E. 'Indian Red'
Adventivpflanzen_Indian_Red

Vermehrung seltener Schwertpflanzen: Echinodorus portoalegrensis

Echinodoren können auf vielerlei Arten vermehrt werden. Am weitesten verbreitet ist die Vermehrung über Adventivpflanzen. Einige kleinere Arten, wie bspw. Echinodorus tenellus, lassen sich dagegen leicht über Ausläufer vermehren. Weniger gebräuchlich bzw. weniger bekannt ist hingegen die vegetative Vermehrung mittels Rhizomteilung.RhizomstueckDa sie bei einigen seltenen Echinodorus-Arten – zumindest für den Aquarianer – die einzige Möglichkeit der Vermehrung darstellt, möchte ich Ihnen diese Technik näher erläutern. Doch bevor ich darauf zu sprechen komme, möchte ich auf die Bedeutung der Adven-tivpflanzen, vor allen Dingen bei der Produktion von Aquarienpflanzen in den Wasserpflanzengärtnereien, eingehen.

Vermehrung über Adventivpflanzen

Adventivpflanzen sind neben der Ausläuferbildung die unproblematischste Art der Pflanzenvermehrung, weil am Ende des Entwicklungsprozesses „Miniaturausgaben“ der Mutterpflanze, größten Teils fertig mit Wurzeln, resultieren. So wundert es nicht, dass diese Art der Vermehrung nicht nur von den Gärtnereien zur Produktion von Aquarien-pflanzen verwendet wird, sondern auch für den Aquarianer eine einfache Methode darstellt, um liebgewonnene Pflanzen weiter zu verbreiten. AdventivpflanzenOft sind zur Vermehrung gar keine besonderen Aktivitäten notwendig, um die Bildung von Adventivpflanzen an Blütenständen zu induzieren. Wie alle Blütenpflanzen bilden auch die Echinodoren von Zeit zu Zeit Infloreszenzen als Zeichen guten Wachstums bzw. Kulturbedingungen. Sobald der Blütenstängel aus dem Wasser herausragt, muss er (im Aquarium) wieder unter die Wasseroberfläche gedrückt werden, da die Tochterpflanzen bei den im Allgemeinen niedrigen Abdeckungen und der damit verbundenen heißen und trockenen Luft  in der Nähe der Leuchtbalken sonst vertrocknen würden und kaum in der Lage wären, Wurzeln zu bilden. Kurz bevor der Blütenstängel seine endgültige Länge erreicht hat, bilden sich je nach Art ein oder mehrere Quirle mit Blüten, an denen gewöhnlich Adventivpflanzen gebildet werden. Mit der „Ernte“ der Pflanzen sollte man allerdings nicht zu früh beginnen, denn die Pflanzen wachsen im allgemeinen im Bodengrund besser an, wenn sie über reichlich Wurzeln verfügen. Ist dieser Zeitpunkt gekommen, werden die Pflanzen mit einer kräftigen Schere oder einem scharfen Messer aus dem Stängel herausgeschnitten.

Bei Aquarienpflanzenproduzenten hat die Vermehrung mittels Adventivpflanzen bei Echinodorus-Hybriden darüber hinaus noch einen ganz anderen Hintergrund. Würde hier eine Vermehrung mittels Samen erfolgen, so wäre die Nachkommenschaft genetisch nicht mehr einheitlich, denn es würde zu einer Aufspaltung entsprechend der Verteilung des Erbgutes kommen. Die Pflanzen sähen dann auch phänotypisch, d.h. von ihrem äußeren Erscheinungsbild her nicht mehr gleich aus. Doch was bei der Massenproduktion neuer Pflanzen unerwünscht ist, ist bei der Züchtung ausdrücklich erwünscht. Hier ist die generative Fortpflanzung, d.h. die Neukombination des genetischen Materials bei der Bildung von Samen das derzeit immer noch praktizierte Verfahren um neue Hybride zu generieren und zu selektionieren. Doch da dies zeit-, arbeits- und damit kostenintensiv ist, widmen sich diesem Thema heutzutage nur noch wenige Gärtnereien.Nüsschen

Vermehrung durch Ableger

Neue Sprosse, die sich an Ausläufern der Mutterpflanze  bilden und selbstständig am Boden festwurzeln, werden als Ableger bezeichnet. Diese einfachste Form der Vermehrung führt bei den kleinwüchsigen Echino-dorus-Arten (Echinodorus tenellus oder E. bolivianus) schnell zu zahlreichen Tochterpflanzen, die im Aquarium innerhalb von kürzester Zeit einen dichten Rasen bilden können.Ausläufer

Vermehrung mittels Rhizomteilung am Beispiel einer Echinodorus portoalegrensis

Viele Echinodorus-Arten, die ja Rosettenpflanzen sind, scheinen mit zunehmendem Alter im Aquarium buchstäblich zu wandern. Dabei kommt die Veränderung des Standorts dadurch zustande, dass die Pflanze langsam aber kontinuierlich in eine ganz bestimmte Richtung wächst (oft in Richtung intensiverer Beleuchtung, zuweilen aber auch hin zu Standorten mit besserem Nährstoffgehalt). Unter dem Verlust der Blätter bilden sich dann im Laufe der Zeit langgestreckte Rhizome, an denen sich in größeren Abständen von der Mutterpflanze vereinzelt neue Jungpflanzen bilden. Wie kommt es nun zu diesen vereinzelt sich entwickelnden Pflanzen? Von welchen Faktoren ist die Neubildung dieser „Seitentriebe“ abhängig? Um diese Fragen zu beantworten, müssen wir einen Ausflug ins Reich der Phytohormone (Pflanzen-hormone) unternehmen.

Phytohormone wirken in sehr niedrigen Konzentrationen (µmol bis höchstens mmol pro Liter) auf Wachstum und Differenzierung. Oft sind ihr Bildungs- und Wirkungsort räumlich getrennt. Der Transport in der Pflanze kann dabei entweder unpolar passiv durch Diffusion entlang eines Phytohormon-Gradienten erfolgen, oder aber sehr spezifisch und polar gerichtet. Bei letzterem ist er von der Stoffwechselenergie der Pflanze abhängig. Phytohormone sind im Wesentlichen chemisch charakterisiert. Man unterscheidet Auxine, Gibberelline, Cytokinine, und Ethylen. Da die Besprechung aller o.g. Phyto-hormongruppen diese kurze Abhandlung bei weitem sprengen würde, möchte ich mich an dieser Stelle auf das Auxin beschränken. Ausgangspunkt der Biosynthese (Herstellung in der Pflanze) ist die Aminosäure Tryptophan, Endprodukt ist Indol-3-Essigsäure, kurz IES genannt. Die Synthese findet vorwiegend im Meristemen, Embryonen und Blättern statt. Der Transport erfolgt dabei von der Sprossspitze zur Basis bzw. zu älteren Pflanzenteilen. Auxin fördert das Streckungswachstum, bei der Wurzel die Seitenwurzelbildung bzw. Stecklingsbewurzelung und bewirkt – und das spielt im vorliegenden Fall eine besondere Rolle – Apikaldominanz. Darunter versteht man die Unterdrückung der Ausbildung von Seitentrieben. „Schlafende Knospen“ oft auch „Augen“ genannt, befinden sich vorwiegend an den Stellen des Rhizoms, an denen ehemals die Blätter entsprangen. Auxin, das in der Nähe der Mutterpflanze vorhanden ist, hemmt konzen-trationsabhängig das „Erwachen“ der Knospen. Geht die Mutterpflanze zugrunde oder wird sie durch äußere Einflüsse beschädigt, (Fraß-, oder mechanische Umstände) ist ein Absinken des Auxinspiegels die Folge. Die „Augen“ fangen an auszutreiben und entwickeln sich zu einer neuen Pflanze. Bei der Rhizomteilung kann man sich dieses biologische Phänomen der Apikaldominanz zunutze machen, indem man die „schlafenden Knospen“ in einem Rhizomteil zum Austreiben bringt.RhizomstückeFür die vegetative Vermehrung mittels Rhizomteilung hat sich folgende Vorgehensweise bewährt: Zunächst entnimmt man einer älteren oder größeren Schwertpflanze ein Stück des begehrten Pflanzenteils – im vorliegenden Fall ein Teil des Rhizoms einer Echinodorus portoalegrensis. Am besten schneidet man mit einem Skalpell oder scharfem Messer – je nach Größe – ein ein bis mehrere Zentimeter großes Stück ab. Die Schnittstellen benötigen in der Regel keine weitere Versorgung. Puristen, die es jedoch ganz genau nehmen wollen, können die Enden noch ein wenig mit Holzkohlepulver desinfizieren. Neben der „normalen“ Eingewöhngasphase am neuen Standort nimmt die Mutterpflanze bei dieser Aktion in der Regel keinen Schaden. Das verbleibende Rhizomstück wird zunächst mit einer weichen Bürste (eine ausgediente Zahnbürste leistet hier Erstaunliches) vorsichtig von anheftenden abgestorbenen Wurzelteilen gesäubert. Größere Knospen oder Austriebe sind in der Regel deutlich zu erkennen, kleinere können jedoch derart winzig sein, dass man sie ohne Vergrößerungsglas überhaupt nicht entdeckt. Im Übrigen können sich Knospen an bestimmten Stellen auch erst im Laufe der Zeit entwickeln. Sind hingegen mehrere Knospen vorhanden, unterteilt man das Rhizomstück gleich weiter in mehrere Stücke. Durch den Verlust des Auxins geht die vormals vorhandene Apikaldominanz verloren und die Knospen fangen bei entsprechender Stimulation (Licht, Temperatur, Nährstoffe) an zu wachsen. Damit die winzigen Stücke nicht im Aquarium umherirren, werden sie mit Draht, Nadeln, Gummi oder Ähnlichem in einer Topfkultur mit reinem Sand befestigt. So können auch die Wurzeln, die sich alsbald bilden, ohne Probleme in den Sand eindringen und sich dort verankern. Größere Rhizomstücke entwickeln bei dieser Methode leicht weitere Knospen, die nach einigen Wochen ebenfalls noch vereinzelt werden können. Vereinzelt man die Knospen an einem Rhizomstück nicht, so entwickelt sich meistens nur eine Knospe weiter, aus der dann eine ausgewachsene Pflanze entsteht. Die kleineren Knospen werden in ihrem Wachstum durch die Entwicklung größerer Austriebe in ihrem Wachstum behindert bzw. zum Absterben gebracht. Der Topf mit den Knospen kommt dann an eine gut beleuchtete Stelle im Aquarium, damit sich die Pflanzen dort gut entwickeln können. Schon nach wenigen Wochen entwickeln sich dann eine Reihe von kleinen Jungpflanzen, die bei guter Pflege rasch an Größe gewinnen. Da Echinodorus portoalegrensis jedoch nur äußerst langsam wächst, benötigt die Pflanze zur Erreichung der in den Fotos abgebildeten Größe mehr als ein Jahr.

Vermehrung durch Gewebekultur

Die Gewebekultur stellt eine vollkommen künstliche Methode der Vermehrung dar, die nur mit Hilfe einer Vielzahl technischer Gerätschaften (Brutschränke, Schüttler, Sterilbänke, Autoklaven, u.v.a.) praktiziert werden kann.  Folgende allgemeine Vorgehensweise liegt dieser Technik zu Grunde: Überimpft man kleine Kalli (Gewebe-stücke) einer Pflanze in ein flüssiges Nährmedium, welches durch einen Schüttler in Rotation gehalten wird, so zerfallen die Kalli nach kurzer Zeit in kleinere Aggregate mit nur wenigen Zellen. Man erhält eine Zellsuspensionskultur, in dessen weiteren Verlauf sich die Zellen mitotisch vermehren. Plattiert man diese Zellsuspension auf sterilen Nährböden (Agar) aus, so entwickeln sich daraus viele neue Pflanzen, die genetisch untereinander völlig identisch sind, also Klone darstellen.GewebekulturDiese werden unter sterilen Bedingungen auf synthetischen Böden, die neben anorganischen Ionen und organischen Substraten auch bestimmte Phytohormone und Vitamine enthalten, bis zur gewünschten Größe kultiviert.  Erst in der Gärtnerei werden die teilweise nur Daumennagel großen Pflanzen den Kulturgefäßen entnommen und zur weiteren Aufzucht in die mit Steinwolle gefüllten Plastiktöpfe überführt, die jedem Aquarianer bestens bekannt sind. Inzwischen werden in den vielen größeren Wasserpflanzengärtnereien Aquarienpflanzen auf diese Weise vermehrt.


Wenn Sie sich für Aquarienpflanzen interessieren, ist für Sie bestimmt auch mein Bericht „Tabletop mit Wasserpflanzen“ interessant.


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