Little Planets
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Little Planets

Viele Menschen sind beeindruckt, wenn sie zum ersten Mal ein Kugelpanorama zu Gesicht bekommen. „Wie hast du dieses Foto nur gemacht“, lautet meist die erste Frage. „Ist dazu ein spezielles Objektiv notwendig“ oder „ist das wieder ein neues Photoshop Plug-in“ – so oder ähnlich entwickelt sich dann meist das Gespräch. Nun, ein Hexenwerk ist die Herstellung von Kugelpanoramen oder Little Planets, wie die eigenartigen Gebilde oft bezeichnet werden, sicherlich nicht, aber die Technik spielt natürlich eine große Rolle. Ich möchte daher die Gelegenheit nutzen und Ihnen hier skizzieren, wie meine „kleinen Planeten“ entstanden sind.

Ausrüstung eines „Panoramafetischisten“

Spiegelreflexkameras haben gegenüber Kompaktkameras einen entscheidenden Vorteil: Die jeweiligen (Normal-) Objektive lassen sich auswechseln gegen Objektive mit kurzer Brennweite, bspw. starke Weitwinkel-Objektive mit 14 mm Brennweite (bezogen auf das Kleinbild-kameraformat 24×36) oder sog. Fisheye-Objektive mit einem Blickwinkel von 180 Grad. Verständlicherweise gilt, je größer der Blickwinkel eines Objektivs, desto weniger Aufnahmen werden benötigt, um ein Rundumbild (eine 360 Grad Panorama-Aufnahme) anzufertigen. Um die Einzelaufnahmen am PC später gut zusammenzufügen (zu „stitchen“) empfiehlt sich eine Überlappung von ca. 30 Prozent. Obwohl die Herstellung von „einfachen“ Panoramen auch aus der Hand mühelos gelingt ist ein Stativ an dieser Stelle unumgänglich. 

Point of no parallax

Werden zur Erzeugung eines Panoramas mehrere Einzelbilder verwendet, muss die Kamera zwischen den Aufnahmen geschwenkt bzw. gekippt werden. Eine geeignete Vorrichtung, fälschlicherweise oft als „Nodalpunktadapter“ tituliert (korrekt wäre der engl. Begriff „No-Parallax-Point“-Adapter [=> bildseitiger Knotenpunkt, Zentrum der „Eintrittspupille“, liegt meist innerhalb des Objektivs und ist nicht zu verwechseln mit der Frontlinse]), ermöglicht das Schwenken und Kippen um die perspektivisch relevante Achse, sodass Parallaxe zwischen den Einzelbildern vermieden werden kann. Auf Grund der steigenden Beliebtheit von Panorama-aufnahmen haben inzwischen zahlreiche Hersteller „No-parallax-point“-Adapter in ihr Sortiment aufgenommen. Von Anleitungen zum Selbstbau bis hin zum High-end Equipment der Marke Novoflex ist alles zu haben. Ich habe mich für das Modell von panorama-hardware.de entschieden (siehe Abb.), welches gutes Preis-/ Leistungsverhältnis bietet.pano_MAXX

Warum die Verwendung des o.g. Adapters bei der Herstellung von Panoramen mit Objekten im Abstand von weniger als 20 Meter unbedingt zu empfehlen ist, lässt sich an einem kleinen Experiment verdeutlichen: Schließen Sie einfach einmal ein Auge und halten Sie vor das geöffnete Auge in kurzem Abstand einen Bleistift. Wenn Sie nun den Kopf drehen, werden Sie feststellen, dass sich der Hintergrund zum Stift verschiebt. Um dies zu vermeiden müssten Sie ihr Auge nach hinten versetzen und etwas zentrieren, so dass es am Drehpunkt über der Wirbelsäule liegt. Das gleiche Phänomen kommt nun auch beim Schwenken der Kamera auf einem Stativ zum Tragen. Verzerrungen in Abhängigkeit der Objektentfernung sind die Folge und selbst leistungsfähigste Stitching-Programme stoßen an ihre Grenzen.

HDR-Fotografie – immer wieder von Vorteil

Über die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der HDR-Fotografie (HDR = high dynamic range)  hatte ich bereits mehrfach auf meiner Seite berichtet und möchte daher an dieser Stelle nur kurz darauf zu sprechen kommen. 360 Grad Außenaufnahmen anzufertigen bedeutet in vielen Fällen auch direkt gegen die Sonne zu fotografieren. Bei konventioneller Aufnahmetechnik bewirken die extremen Helligkeitsunterschiede nur unbefriedigende Resultate. Dies wird bei Verwendung der HDR-Aufnahmetechnik weitestgehend vermieden. Durch die Belichtungsreihen (2-3 EV Über-, bzw. Unterbelichtungen) können extreme Helligkeitsunterschiede mittels geeigneter Software (bspw. Photomatix) im sogenannten Tonemapping eingefangen und adaptiert werden.

Problemkind Nadir

Der Nadir ist das Gegenstück von Zenit, aber vielleicht sind Ihnen ja beide Begriffe nicht so recht geläufig. Nun, während man unter dem Zenit den Punkt des Himmels versteht, der sich genau senkrecht über dem Beobachter befindet, versteht man unter dem Nadir  (arabisch „Fußpunkt“) genau das Gegenteil. In unserem Fall ist dies der Fleck, wo sich der Fotograf samt Stativ zum Zeitpunkt der Aufnahme befindet. Hat man das Rund-um-Panorama im Kasten, fehlt nur noch eine Aufnahme vom Boden des Standpunktes, von wo aus das Panorama aufgenommen wurde. Doch genau hier liegt das Problem. Richtet man die Kamera nun einfach zu Boden, werden mit ziemlicher Sicherheit die Beine des Fotografen und das Stativ abgebildet werden. Was also tun?

Eine praktikable Lösung besteht darin, einen Schritt zurückzutreten und die Kamera samt Stativ vorsichtig über den Nadir zu neigen um sie etwa in der „richtigen“ Position auszulösen. Bei unregelmäßigen Untergründen sollte es später problemlos möglich sein, den Boden mit der Panoramaaufnahme an markanten Punkten zu verankern. Da man für die „Luftaufnahme“ in der Regel beide Hände benötigt, leistet ein Selbstauslöser hier wertvolle Dienste.

Hugin – eine Freeware mit grandiosen Möglichkeiten

Wie so oft bieten sich mehrere Programme zur Erzeugung von Kugelpanoramen an. Besonders empfehlenswert ist das kostenlose Hugin, das der führende Open-Source Stitcher ist und daher zur Erzeugung des eigentlichen Kugelpanoramas dienen kann. Obwohl Hugin ein ungemein leistungsstarkes Softwaretool ist, wirkt die Aufmachung des Programms  übersichtlich und wohl durchdacht.

Nach dem Starten müssen zunächst die Einzelbilder hinzugefügt werden. Dies geschieht entweder per Drag&Drop oder über die Schaltfläche „1.Bilder laden…“. Anschließend werden Objektivtyp und ggf. Brennweite und Formatfaktor (Vollformatsensor = 1) eingegeben. Unter der Registerkarte „Kontrollpunkte“ lassen sich nun die gefundenen Kontrollpunkte begutachten. Kontrollpunkte kann man löschen, verschieben und auch hinzufügen.

Etwas mühsam ist nun die noch zu erledigende Verknüpfung des Nadirs mit den Einzelbildern. Zwar sind bereits 3-4 Verknüpfungspunkte (Ankerpaare) pro Bildpaar ausreichend, doch auch diese müssen erst einmal gefunden werden. Als nächster Schritt ist „optimieren“ an der Reihe, welcher sich unter dem gleichnamigen Menüpunkt findet. Die Voreinstellung „inkrementell, vom Anker beginnend“ sollte beibehalten werden.

Der Button „OpenGL“ öffnet schließlich die Vorschau. Da es sich hier um en synthetisches Bild handelt, muss im Button Projektion „stereografisch“ ausgewählt werden. Anfangs steht der HFOV-Regler (unten in der Programmleiste) weit rechts. Um überhaupt etwas erkennen zu können, ist es ratsam, etwas in das Bild hinein zu zoomen (Schieberegler nach links bewegen). Nun wird im Bild der schon mehrfach erwähnte Nadir gesucht und angeklickt. Damit wird die Projektion auf diesen Punkt zentriert und der Ausgangspunkt für viele Planeten-Varianten ist geschaffen. An dieser Stelle lassen sich unzählige Darstellungsweisen kreieren, von völlig abstrakt bis bizarr verbogen – schier nichts mehr scheint unmöglich. Haben Sie sich schlussendlich für ein Bild Ihrer Wahl entschieden, wechseln Sie zum Reiter „zusammenfügen“. Nach Angabe der Bildgröße ist es nun an der Zeit, die Berechnung der jeweiligen Kreation zu starten. Der Vorgang kann je nach Rechenleistung eine Weile dauern – eine gute Gelegenheit darüber nachzudenken, wann wieder ein Computer-Update sinnvoll erscheint.


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