Streifzug über die Azoren
Flores
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Ginger Lily
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Ipomea tricolor
ISE0233 Ipomoea tricolor
Baumfarn
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Blick auf Pico
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Bananenplantage auf Flores
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Bananenernte auf Flores
ISE1003
Amaryllis belladonna
ISE1747 Amaryllis belladonna
Vulkanismus auf Flores
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Portugisische Flagge
ISE8505_Sao Jorge
Atlantik
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Delphine bei der Jagd
ISE8843
Krater auf Faial
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Peter's Cafe Sport
ISE1619
Pico - Unterkiefer Pottwal im Cafe O Baleeiro
ISE1769
Faial - Hafen von Horta
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Teeplantage auf Sao Miguel
ISE2002
Cha Gorreana
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Vegetation auf Sao Jorge
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Sao Jorge - Fajas
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Wolkenstimmung auf Sao Jorge
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Wolkenstimmung auf Sao Jorge
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Kratersee auf Sao Miguel
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Kratersee auf Sao Miguel
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Abendstimmung auf Sao Miguel
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Gärten im Atlantik – Streifzug über die Azoren

Viele Menschen kennen die Azoren nur vom Wetterbericht her, meist in Zusammenhang mit dem Azorenhoch, das schönes Wetter verheißt. Dabei haben diese Inseln alles andere als nur Wetter zu bieten. Kräftige Brisen fegen schneeweiße Wolken wie Wattebäusche über den tief blauen Himmel. Minuten später schon ist alles anders, wenn dunkelgraue Nebelschwaden über den Kraterrand ziehen, um smaragdgrüne Seen in dampfende Suppentöpfe zu verwandeln. Die herbe Schönheit der Landschaft begeistert seit jeher ihre Besucher – und nicht zuletzt die Fotografen.

Hortensien – Blaue Zierde der Vulkan- landschaften

Die neun Inseln des Archipels liegen auf der Höhe von Lissabon, etwa einem Drittel des Weges von Europa nach Amerika. Zu den östlichsten Inseln zählen Sao Miguel, die größte und vielfältigste Insel, sowie Santa Maria. Fünf Eilande drängen sich zur zentralen Gruppe zusammen: Teceira (die dritte Insel der Entdeckung), Graciosa (die Liebliche), der Gebirgsrücken Sao George, Pico mit dem gleichnamigen Vulkanberg sowie Faial. Als Westinseln bilden die Inseln Flores (Blumen) und Corvo die westlichsten Eckpunkte Europas. Der Name der Azoren entstammt der Überlieferung nach einer Verwechselung von Habichten (Aςores) mit Mäusebussarden, die zur Zeit der Entdeckung dort heimisch waren.

Die natürliche Vegetation der Azoren in der feuchten Wolkenzone wird von Lorbeer, Wacholder und der Baumheide bestimmt. Diese bilden zum Teil strauchige Wälder, die reich an unterschiedlichen Moosen sind. Durch die Besiedelung ist heute ein Großteil der ursprünglichen Vegetation verschwunden, weil Weide- und Ackerland an ihre Stelle traten. Verblieben sind nur noch 56 endemische Pflanzenarten, die nur hier und nirgendwo sonst auf der Welt vorkommen. Meist liegen ihre Reservate in unwegsamen Schluchten und Vulkankesseln, wo sie  die Ufer der zahlreichen Kraterseen zieren. Die Hortensie hingegen kennt dieses Nischendasein nicht und ist im Laufe der Zeit zur wohl typischsten Pflanze avanciert. Sowohl als natürlicher Weidezaun wie auch als Zierstrauch im Vorgarten ist sie auf allen Inseln gleichermaßen beliebt. Die Vorliebe für diese Pflanze geht bei den Azoreanern dabei so weit, dass einige Lebensmittelgeschäfte sie gar als Plastikimitat anbieten.

Baumfarne und Schwefelquellen – Relikte aus der Zeit der Dinosaurier

Als Reisender erschließen sich einem viele ungewöhnliche Gegebenheiten oder Erlebnisse meist zufällig und spontan und lassen sich nicht planen. Ich habe mich an diesen Tag mit meiner Frau bereits in aller Frühe auf den Weg gemacht, um die schwefeligen Quellen und heißen Erdlöcher von Furnas, quasi eine der Haupt-touristenattraktionen – „a must see“ – auf Sao Miguel, zu besichtigen. Ab 10 Uhr etwa ist es üblicherweise vorbei mit der Ruhe, denn dann verstopfen Busse mit Pauschal-touristen die winzigen Zufahrten und Trampelpfade. Der Plan sollte aufgehen, denn ohne weitere „Störungen“ kann ich bei bestem Licht die leise vor sich hin blubbernden Schlammlöcher und Schwefelausdünstungen fotografieren. Obwohl der Eintopf, der in etwa einem halben Meter tiefen Erdlöchern 5-6 Stunden mittels Erdwärme gegart wird, aus kulinarischer Sicht meines Erachtens nicht unbedingt der Hit ist, ist die Idee der Vermarktung durchaus gelungen. In sauber ausgehobenen Vertiefungen finden sich Töpfe im Garungsprozess und „Erdköche“ lassen sich bei der Arbeit beobachten. Da das Geschehen sehr übersichtlich ist und das Ausmaß der heißen Quellen und Geysire bei weitem nicht an andere, wie z. B. die des Yellowstone-Nationalparks heranreichen, sind wir mit unserer Besichtigung schneller fertig als geplant. Wir entschließen uns daher, dem beschilderten Weg entlang des flachen Kratersees zu folgen, der in der Ferne zu einer Kirche führen soll. Doch dazu soll es nicht kommen, da ein anderer, versteckter Pfad, dessen Zugang ich zufällig entdecke unsere Aufmerksamkeit erregt.

Geheimnisvoller Weg

Im Grunde möchte ich nur zum wiederholten Male eine der vielen Blütenstände der Girlandenblume Hedychium gardneranum fotografieren, als diese gerade besonders fotogen von einem Sonnenstrahl angeleuchtet wird. Während ich mich näher an den Blütenstand herantaste, bemerke ich, dass zwischen dieser und der benachbarten Pflanze etwas mehr Platz als neben den übrigen Pflanzen vorhanden ist. Vorsichtig biege ich einige der buschigen Zweige zur Seite und finde einen Trampelpfad vor, der von dichten Hedychiumpflanzen umgeben sich rechtwinkelig vom Uferweg entfernt. In kleinen Schlängelungen führt der Pfad zunächst stetig hangaufwärts.

Wir staunen nicht schlecht, als bereits nach 30-40 Metern der Gürtel der Hedychiumbewuchses endet und aus dem feuchten, fast matschigen Pfad ein festgetretener schmaler Waldweg wird. Da ich von dieser Stelle einen Baumfarn ausmachen kann, beschließen wir, bis dahin weiterzugehen. Der Waldboden wird nun deutlich humusreicher und rechts und links des Weges wachsen kleine Farne und krautige Pflanzen, deren Artzugehhörigkeit ich nicht kenne. Wir folgen dem Weg nur kurze Zeit, bis eine nahe gelegene Felswand das Weitergehen fraglich erscheinen lässt. Zu meiner Begeisterung stelle ich fest, dass es sich bei dem aus der Ferne gesichtetem Baumfarn nicht um ein Einzelexemplar handelt. Dutzende von Baumfarnen stehen dicht gedrängt beisammen, einen Wald mit prähistorischem Ambiente formend. Obwohl ich in einem der Reiseführer gelesen hatte, dass gerade im zentralen Teil von Sao Miguel Baumfarne wild eingebürgert sein sollten, bin ich von der Vielzahl und Größe  restlos überwältigt. Die vielen großen und kleinen Exemplare, Baumstümpfen und überdimensionale Wedel, strahlen eine Urtümlichkeit aus, die mich spontan an Dinosaurier oder Jurassic Park erinnert.

Das Zwitschern der Vögel, das Rauschen eines benachbarten Wasserfalls, alles erscheint an dieser dunklen Stelle des Waldes mystisch, fast unheimlich. Während der Anfertigung zahlreichen Fotos bemerke ich, dass, auf der Suche nach Fremdem, meine Blicke immer wieder das undurchsichtige Dickicht durchforsten. „Bestimmt ist dies das Ende eines Rundweges, den man üblicherweise in entgegen gesetzter Richtung folgt“, spekuliert meine Begleiterin. Nachher, so die weitere Hypothese, kommen uns bestimmt die „richtig“ gegangenen Wanderer alle entgegen. Etwas ungläubig lasse ich diese Bemerkung so im Raume stehen. Man wird ja sehen.

Nachdem ich die Kamera und anderes Fotozubehör wieder sorgfältig verpackt habe, folgen wir dem Weg, der nun dicht gedrängt an der Felswand stetig nach oben führt. Wir stauen nicht schlecht, als wir nach einer weiteren Wegkehrung auf eine gemauerte Steintreppe stoßen. Die Treppe ist beiderseits von kleinen Sockeln umgeben, die früher wahrscheinlich der Befestigung einer Türe dienten. Nach kurzer Begutachtung und Austausch einiger Spekulationen sind wir gespannt, wie es nun weiter geht. Die beidseitig des Weges wuchernde dschungelartige Vegetation lässt keine Langweile aufkommen, denn immer wieder versperren Hindernisse und umgestürzte Bäume den Weg.

Die immer wieder aufkommende Diskussion über die Bedeutung des Weges und wie alt wohl die vor sich hin modernden Schnittflächen des Ginger Lili-Gewächses sind, verstummt abrupt, als wir fast zeitgleich die Fassade eines Hauses erblicken. Noch ehe wir unsere Eindrücke austauschen können, stehen wir am Eingang einer geräumigen Villa. Da Türen und Fensterglas nicht mehr vorhanden und Decken von Ober- und Kellergeschoss mehr als morsch sind, lassen sich große Teile des Gebäudes auch ohne einzutreten einsehen. Der Einsturz oder Niedergang des Gebäudes scheint schon eine Weile her zu sein, denn eine Vielzahl von Gewächsen, darunter ausgewachsene Feigenbäume, hat sich auf allen Etagen breit gemacht. Etwas merkwürdig erscheint uns das Dach der Villa, das im Vergleich zur übrigen Bausubstanz verhältnismäßig gut erhalten ist. So haben wir den Eindruck, dass die Bewohner ihre Existenz überstürzt haben aufgeben müssen. Ein Erdbeben könnte einer der vielen denkbaren Gründe gewesen sein. Aber das werden wir wohl nicht in Erfahrung bringen können. Die bis dicht ans Haus wuchernde Vegetation, unter anderem wieder Baumfarne, erschweren uns die Umrundung des Gebäudes. Etwas zu spät bemerke ich, wie eine Bodenplatte nachgibt und laut scheppernd unter mir zerbricht. Nur mit Mühe kann ich verhindern, mein Gleichgewicht zu verlieren, um nicht in den 2-3 Meter tiefen Hohlraum unter mir zu fallen. Gefangen in einer Grube, das hätte ich mir sicherlich als letztes gewünscht. Nach diesem Zwischenfall und den vielen Rätseln, haben wir es eilig das Gelände zu verlassen.

Unmittelbar nach der Erkundung des Hauses folgen wir dem Waldweg, der uns zunächst durch einen verwilderten Garten führt. Nun leicht bergab laufend, begegnen uns wieder Baumfarne, deren Kronen im Sonnenlicht wie überdimensionale Schirme den Weg vor allzu großer Einstrahlung schützen. Die Ahnung, hier doch niemandem mehr zu begegnen bewahrheitet sich, als plötzlich und völlig unerwartet vor uns eine ca. 50 Meter tiefe Schlucht auftaucht. Ohne Seil und Kletterausrüstung ist dieser Vorstoß für uns hier wohl zu Ende. Der mit Steinen befestigte Abschluss, der offensichtlich auch auf der gegenüber liegenden Seite eine Entsprechung findet, lässt auf eine nicht mehr vorhandene Hängebrücke schließen. Wer mag diesen Weg genutzt haben? Wohin hat er geführt? Ohne jedwede Erklärung, aber um ein Erlebnis bereichert treten wir den Rückweg an.

Faja de Lopo Vaz – Bananenernte auf Flores

Nachdem mich am Tag zuvor ein Taxifahrer in gewohnter Manier mit reichlichen Hinweisen für die heutige Tour versorgt hat, mache ich mich auf den Weg, den südlichen Teil der Insel zu erkunden. Das Wissen der ortskundigen Fahrer ist in diesen entlegenen Gebieten als Vorbereitung für die Routenplanung eine willkommene Bereicherung, zumal viele Angaben in den aktuell erhältlichen Reiseführern ungenau und Zeitangaben fragwürdig sind. Darüber hinaus existiert vielfach schlechtes Kartenmaterial, in dem Wege eingezeichnet sind, die plötzlich enden oder schlichtweg gar nicht existieren. Doch dies nur am Rande. Die grandiose Landschaft mit den atemberaubenden Aussichten lässt solche Unstimmigkeiten schnell vergessen. Nach Angaben meines GPS-Empfängers befinde ich mich etwa 250 m über dem Meeresspiegel, als ich am Ende eines asphaltierten Weges den Mietwagen neben einem „Pick-up“ abstelle. Ich nehme den in den Farben stark verblichenen Wagen nur am Rande wahr und hätte ihn wenig später bestimmt gänzlich vergessen, sollten nicht andere Umstände mich wieder daran erinnern. Die Pick-ups leisten hier gute Dienste, zumal 3-6 Personen im vorderen Teil des Wagen bequem Platz finden und zugleich kleinere Gerätschaften, landwirtschaftliche Erzeugnisse und Dinge jeglicher Art im hinteren Teil des Wagens auf den holprigen Straßen gut transportiert werden können.

Ein steingepflasterter Weg führt steil hinab parallel der Küste. Die angelegten Stufen sind stellenweise äußerst rutschig. Obwohl es nur bergab geht, macht mir die feuchte Luft bereits jetzt deutlich zu schaffen. So sind die durch Überwucherungen entstandenen schattigen Abschnitte des Weges ideal, um regelmäßig einen kräftigen Schluck aus der Wasserflasche zu nehmen. Ich staune nicht schlecht, als plötzlich eine im Fels eingelassene Marien-andachtstätte in einem Felsenüberhang erscheint. Neben einer ausdrucksstarken Marienfigur sind ein Foto und ein Schreiben einer jungen Soldatin aufgestellt. Obwohl ich kein portugiesisch spreche, ist dem Schreiben zu entnehmen, dass die junge Frau bei einem Einsatz in Afghanistan ihr Leben lassen musste. Das dunkle Lavagestein, die Abgeschiedenheit und der „Blick“ des Fotos aufs Meer verfehlen auch bei mir ihre Wirkung nicht.

Die anvisierte Bucht, die für ihr tropisches Mikroklima bekannt ist, erscheint bald nicht mehr so winzig. Immer noch halte ich gespannt nach den Bananenplantagen Ausschau, die weit und breit noch immer nicht in Sicht sind. Stattdessen nehmen die Bambushaine und der von schwarzen Lavasteinen übersäte Strand Konturen an. Der Abstieg hat sich nun deutlich verflacht und verwilderte Ackerflächen säumen den Weg. Dann erscheint ein einsames Sommerhaus unmittelbar vor mir. Nachdem ich meine inzwischen erschöpften Wasservorräte an einem Wasserhahn aufgefüllt habe, nehme ich das Haus etwas genauer unter die Lupe. Alles deutet darauf hin, dass hier jemand lebt, doch von den Bewohnern ist niemand zu sehen.

Ich folge dem Weg nun wieder leicht Hang aufwärts, um mich in der Bucht weiter umzusehen. Inzwischen ist es fast Mittag und die Sonne treibt mir den Schweiß buchstäblich aus allen Poren. Endlich gelingt es mir an einem Holzverschlag einen Blick hinter die aus Felsbrocken aufgetürmten Mauern werfen. Nun kann ich meinen Augen kaum trauen: Bananenstauden in Hülle und Fülle. Dicht gedrängt und vollkommen windgeschützt finde ich die riesigen Stauden nun hinter jedem Vorsprung. Selbst die von weiter oben sichtbaren Bambushaine erweisen sich nun als solide Mauern, welche die großen, lappigen  Blätter der in voller Blüte stehenden Pflanzen vor Beschädigung durch Winde schützen sollen.

Während ich noch über den enormen Aufwand des Anbaus nachdenke, höre ich Stimmen, die sich schnell nähern. Dann erscheinen zwei größere Hunde, die nicht unbedingt zur meiner Beruhigung beitragen. Das Gebell nimmt jedoch ein schnelles Ende, als ein kurzer Pfiff durch das grüne Dickicht ertönt. Sekunden später biegen ein Mann und eine Frau schwer beladen mit Bananen um die Wegbiegung. Außer einem „Bom Dia“ und ein paar Brocken Englisch ist leider keine weitere Konversation möglich. Die beiden scheinen sich darüber zu freuen, dass ich sie fotografieren möchte. Es kommt mir wie eine Belohnung vor, als mir die Frau unaufgefordert eine der gelben fleischigen Früchte anbietet. Oben wartet ein Auto auf den Abtransport der Früchte, soviel kann ich unserer Unterhaltung entnehmen. Dann nehmen die beiden ihre Lasten buchstäblich auf die Schultern und verschwinden nach wenigen Schritten im Dickicht der Bananen, während ich noch genüsslich die Frucht verzehre. Außer dem Namen haben diese intensiv gefärbten aromatischen Früchte wenig mit dem gemeinsam, was man hierzulande unter Bananen versteht.

Ginger Lily – Von der Zierpflanze zur Pest

Ursprünglich als Zierde gedacht, sind inzwischen viele der eingeführten Pflanzen, die im feuchtwarmen Klima der Azoren bestens gedeihen, zu einer Bedrohung der heimischen Flora geworden. Neben dem aus Australien stammenden Klebsamen (Pittosporum undulatum) fällt besonders die Girlandenblume (Hedychium gardneranum) – im englischen Sprachraum Ginger Lily genannt – ins Auge. Das aus dem Himalaja stammende Ingwergewächs ist äußerst robust und breitet sich durch Rhizombildung unglaublich stark aus. Ihre großen gelben Blütenstände sind bis zu 40 cm lang. Nicht selten sind die in Massen auftretenden Gewächse bis 2,50 Meter hoch. Die Pflanzen sind derart einnehmend, dass der zu Boden fallende Samen der Nadelbäume kaum Licht und keine Nahrung mehr finden kann. Somit findet mit der Zeit eine Überalterung der Baumbestände statt. Zur Blütezeit ab Ende Juli bieten die Blüten einen wunderschönen Anblick, der die ökologische Problematik fast vergessen lässt.

Pico – Insel im Wandel der Zeit

Nirgendwo auf den Azoren scheint die Sonne früher auf als auf dem 2351 m hohen Pico. Dann ragt Portugals höchster Berg weithin sichtbar in den meist diesigen Himmel. Ist der Berg jedoch wolkenverhangen, ist seine majestätische Größe sowohl aus der Nähe als auch von den Nachbarinseln nur schwer zu erahnen. Pico bietet aber weit mehr nur als den erloschenen Vulkan, denn das geologische Rückrat setzt sich nach Osten hin über viele Kilometer fort. In einer Höhe von knapp 1000 m reiht sich dicht bewaldet ein Vulkankegel an den anderen, in deren Senken zahlreiche kleine Seen liegen. Zu Füßen des Vulkans entlocken die Bewohner der Insel seit Jahrhunderten Land, das der Kultivierung von Wein zugute kommt. Großen Aufschwung nahm der Weinanbau nach dem Vulkanausbruch von 1719. Einwanderer aus den Nachbarinseln, Portugal und Flandern verwandelten die öden Lavafelder in fruchtbare Weinterrassen. Doch der Weinanbau auf Pico ist ein hartes Brot. Starke Winde und die sengende Sonne zwangen die Bauern erfinderisch zu sein. Zunächst mussten die groben Brocken auf den grobkörnigen Lavaflächen entfernt fernen. Sie dienten zum Aufbau der Trockensteinmauern, die wie ein schwarzes Netz die grünen Weinfelder durchziehen. Durch ihre Anwesenheit entstehen gleich bleibend hohe Temperaturen, die dem Wachstum der Pflanzen zugute kommen. Einen großen Einbruch mussten Picos Weinbauern Mitte des 19. Jahrhunderts erfahren, als Mehltau und 20 Jahre später die Reblaus große Teile der Kulturen vernichtete. In Scharen wanderten die Bauern ab. Nur der lukrative Walfang, der seit etwa 1750 auf der Insel parallel betrieben wurde, konnte die Existenz der zurückgebliebenen Bevölkerung sichern. Der Weinanbau auf Pico wird auch heute noch in weiten Teilen der schmalen Küstenregion betrieben.

Auf den Azoren wurde 1987 der letzte Pottwal vor Pico gefangen. Die traditionell praktizierte Art, die Säugetiere mit kleinen Booten und eisernen Harpunen zu erlegen, lief auf Grund des Preisverfalls der verwertbaren Produkte weltweit Ende der 60er Jahre langsam aus. Heute nähern sich Menschen auf Pico nur noch friedlich: Whale-Watching lautet die Devise. Den Walen einen spirituellen und wirtschaftlichen Wert zu geben ist zweifelsohne der beste Schutz dieser nach wie vor bedrohten Tierart. Auf den Azoren kann man die Wale auf verschiedene Weise beobachten. Eine Methode besteht darin, die an Land gelegenen Vigias (Beobachtungspunkte) zur Sichtung der küstennahen Spezies zu nutzen. Werden Tiere gesichtet, werden die entsprechenden Koordinaten per Funk an die Touristenboote übermittelt, um diese schnell und gefahrlos an die entsprechenden Stellen zu dirigieren. Somit haben die ehemaligen Walfänger einen neuen und besseren Weg gefunden, ihren Lebensunterhalt mit Walen zu bestreiten.

Publikation:

Ise, W. (2007) Gärten im Atlantik – Steifzug über die Azoren. DigitalPHOTO (7); 104-109

Reiseberichte.com

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