Des Jägers fette Beute
Cypripedium calceolus
ISE5588_cypripedium_calceolus
Cypripedium calceolus
ISE5568_cypripedium_calceolus
Cypripedium calceolus
ISE5617_cypripedium_calceolus
Cypripedium calceolus
ISE5621_cypripedium_calceolus
Misumena vatia
ISE5611_cypripedium_calceolus

Des Jägers fette Beute

Über Misumena vatia „Europäische Spinne des Jahres 2006“ und den heimischen Frauenschuh Cypripedium calceolus.

Jedes Jahr zum Ende des Frühjahrs zieht der Frauenschuh Cypripedium calceolus Naturliebhaber in seinen Bann. Leider kommt diese Orchideenart in der freien und ungeschützten Natur nur noch selten vor und bekannte Standorte sind in der Regel Insidern vorbehalten. Typische Vorkommen sind Waldränder oder Lichtungen im Laub-, Nadel- oder Mischwald. Während die Höhe eher von untergeordneter Bedeutung ist, stellt der Frauenschuh hohe Ansprüche an den Boden, der kalkhaltig und nährstoffarm sein sollte. Insbesondere letzteres scheint auf Grund immer intensiver Nutzung der Grünflächen durch Viehhaltung und Agrarwirtschaft in der heutigen Zeit den Pflanzen mehr und mehr zuzusetzen.

Heimischer Frauenschuh – Cypripedium calceolus

Noch während ich mit der Montage von Kamera und Stativ und der Auswahl meiner Objektive beschäftigt bin, um die prachtvollen Exemplare der Frauenschuhansammlungen am Standort zu fotografieren, machen sich die vielen lästigen Fliegen über mich her. Offensichtlich ziehen die vielen Blüten, die im Sonnenlicht wie Fackeln leuchten, die Insekten magisch an. Beim Blick durch das Makroobjektiv werde ich dann Zeuge eines Schauspiels, das die enge Verknüpfung zwischen Insekten und Pflanzen beleuchtet. Die goldgelb gefärbte Lippe der Frauenschuhblüte ist bauchig, bis zu 4 cm lang und am Grund behaart. Angezogen vom Glanz der Lippe und dem aprikosenartigen Duft ist der Rand des Schuhs ein idealer Landeplatz für die Fliegen. Einige Insekten fliegen aber auch direkt in die Öffnung. Da die Wände im Inneren sowohl steil als auch glatt sind, kommen die Besucher nicht mehr oben aus dem Schuh, sondern müssen der Narbenfläche entlang herauskriechen.

Im Gegensatz zu allen anderen heimischen Orchideen hat der Frauenschuh zwei fertile Staubblätter, an denen vorbei allein der Weg ins Freie führt. Ein drittes, rot geflecktes und steriles Fruchtblatt steht schildförmig über der Narbe.

Krabbenspinnen auf der Jagd

Kaum ist die Bestäubung vollzogen und der Blütenausgang erreicht, lauern räuberische Krabbenspinnen auf fette Beute. Die heimische „Veränderliche Krabbenspinne“ Misumena vatia kann sich durch Einlagerung von Pigmenten dem jeweiligen Untergrund farblich beträchtlich anpassen und macht sich auf diese Weise für ihre Opfer unsichtbar. Beim Absuchen der zahlreichen Blüten finde ich viele Spinnen, die speziell in den Winkeln der schokoladenbraun gefärbten Perigonblätter ihren Ansitz machen. Teilweise fangen die Krabbenspinnen die Fliegen aber auch direkt auf dem Rand der Lippe. Die acht Beine der Veränderlichen Krabbenspinne sind nicht alle gleich lang. Während sich die Spinne mit den beiden hinteren Beinpaaren am Untergrund verankert, dienen die beiden vorderen, längeren und deutlich stärkeren Beinpaare dem Fangen und Festhalten der Beute. Da diese auch einmal stechen kann (im Falle von Bienen oder Wespen, die ebenfalls auf dem „Speiseplan“ von Krabbenspinnen stehen) ist es von Vorteil, sich die Beute mit etwas längeren Beinen vom Leibe zu halten. Vor dem Beutefang und auf Lauer liegend spreizen Krabbenspinnen die vorderen beiden Beinpaare weit auseinander. Ihren Namen verdanken die Krabbenspinnen ihrer Fähigkeit, sich auch seitlich schnell und geschickt fortzubewegen. Die relativ kleinen Augen gestatten ein Formensehen wahrscheinlich nur aus nächster Nähe, allerdings werden Bewegungen nach eigenen Beobachtungen ab etwa 20 cm wahrgenommen. Unmittelbar nach dem Fang wird über die Kieferklauen Gift injiziert, das sehr wirksam ist und in Sekunden zum Tod der Beute führt. Nachdem sich die Innereien durch Einspeichelungen aufgelöst haben, wird das Insekt ausgesaugt. Zurück bleibt eine beinahe intakte Hülle. Wegen ihrer auffälligen Färbung und ihrer Variabilität wurde Misumena vatia in der Vergangenheit unter zahlreichen wissenschaftlichen Synonymen beschrieben, die erst durch die modernen molekularbiologischen Bestimmungsmethoden aufgedeckt wurden. Nicht vorenthalten möchte ich Ihnen auch die Tatsache, dass die Veränderliche Krabbenspinne von Fachleuten aus der Schweiz, Österreich und Deutschland zur „Ersten Europäischen Spinne des Jahres 2006“ gewählt wurde.

Aufnahmetechnik der digitalen Aufnahmen

Sämtliche Fotos wurden mit der Nikon D2X in Kombination mit dem Makro-Objektiv AF-S VR Micro 105mm/2.8G IF-ED aufgenommen. Um bestmögliche Schärfe zu erhalten befestigte ich die Kamera auf einem Stativ der Marke Gitzo Explorer. Einige der Aufnahmen wurden unter Verwendung des entfesselten Blitzes Nikon Speedlight SB-800 in Kombination mit einer Softbox der Firma LumiQuest ausgeleuchtet. Als Aufnahmeformat verwendete ich ausschließlich das RAW-Format. Leichte Bildkorrekturen wurden mit Hilfe der Software PhotoShop CS2 vorgenommen.


Lizenzfreie Fotos für die kommenzielle Nutzung finden Sie bei fotolia.de